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Das badische Bambusrad

1. Jun 2016 Kommentare (1) Ansichten: 1689 Allgemein, Menschen, Unterwegs

Stefan Eisen baut Räder aus Bambus. Ultraleicht, absolut alltagstauglich und in tollem Design. BGV mein magazin hat den Fahrradtüftler in seiner Manufaktur in der Karlsruher Weststadt besucht.

Das Karlsruher Bambusrad und sein Erfinder

Das Karlsruher Bambusrad und sein Erfinder

Fahrrad-Manufaktur in einer Altbauwohnung

Ein schmucker, aber unscheinbarer Altbau im Karlsruher Westen. Auf dem Klingelschild steht leicht ausgebleicht „Stefan Eisen - Bambusheld“. Die Werkstatt des Fahrradbauers befindet sich in der Wohnung im ersten Stock. Als Eisen die Tür öffnet, fällt der Blick sofort auf drei schicke Räder im Flur. Tatsächlich – Fahrräder aus echtem Bambus!

Im Do it Yourself-Verfahren wurde Eisen vor über fünf Jahren zum Fahrradbauer. Aus einer Schnapsidee mit einem guten Freund entwickelte sich ein echter Plan: Fahrräder aus Bambus, das gab es zwar schon, aber eben nicht so, wie der passionierte Radler sich das vorstellte. Design und Funktionalität sagten ihm bei den bereits bestehenden Exemplaren – meist Importe aus Ghana – nicht zu. Er wollte sein eigenes Bambuszweirad entwerfen und herstellen.

Die ersten Versuche: Verbindungselemente aus Hanf und Epoxidharz

Die ersten Versuche: Verbindungselemente aus Hanf und Epoxidharz

Fünf Generationen von Bambusrädern stehen hinter ihm auf dem Schrank und dokumentieren den Entstehungs- und Entwicklungsprozess. „Am Anfang wusste ich überhaupt nicht, wo ich anfangen soll“, gesteht der gelernte Heizungsbauer, „aber nach der nötigen Recherche und vielen Gesprächen ging es los.“ Heraus kam ein erster Prototyp, der aber noch nicht ganz den Vorstellungen des designorientierten Hobbybastlers entsprach. „Die Verbindungselemente waren schon nicht schlecht, sahen aber noch sehr provisorisch und unsauber aus“, erklärt Eisen. „Damit war ich noch nicht zufrieden.“ Ein guter Freund brachte ihn schließlich, nach Versuchen mit Hanf und Epoxidharz, auf die Idee, die Gelenke und Verbindungstücke mit Glasfaser und Kunstharz zu bauen. „Das war der Durchbruch. Jetzt hatte ich den Dreh raus!“ Mit einem 3D-Drucker erzeugt er im ersten Schritt die benötigte Form. Diese nutzt er als Schablone, um das tatsächliche Bauteil zu produzieren. So entstehen heute alle Verbindungselemente, wie etwa das Steuerrohr. Der Rahmen wird zudem mit Bootslack lackiert, um besonders widerstandsfähig und langlebig zu werden.

Der Exot unter den Fahrradbauern

Eisen hat bis heute über 20 Bambusräder komplett alleine produziert. Etwa 40 Arbeitsstunden dauert es, bis ein Fahrrad die Werkstatt verlässt. Am Anfang stellte er die exklusiven Räder nur für sich und seine Familie her. Dann kamen die ersten Nachfragen. Inzwischen kann jeder ein Bambusrad beim Ingenieur in Auftrag geben.

Mit dem ersten eigenen Bambusrad fuhr Eisen das Durlacher Turmbergrennen und machte sich schnell als Exot unter den Fahrradbauern einen Namen. Er ist ein kreativer Kopf, ein Tüftler und Autodidakt. Noch hat er sein Hobby nicht ganz zum Beruf gemacht, ist aber auf dem besten Weg dorthin. „Selbstverständlich ist es mein Traum, noch viel mehr Räder zu produzieren und mich am besten ganz auf meine Fahrradwerkstatt zu konzentrieren“, gesteht Eisen, der die Bambusbikes bisher „nur“ neben seiner eigentlichen Arbeit als Ingenieur bauen kann.

Maßgeschneidert und alltagstauglich

Das muss aber nicht so bleiben! Das Bambusrad ist nicht nur etwas für Liebhaber und Sammler: „Vor einigen Jahren unternahm meine Tochter mit Freundinnen eine Fahrradtour zum Bodensee. Während sich alle anderen mit dem typischen Hollandrad aufmachten, fuhr sie natürlich mit dem Bambusrad – damals noch ohne Gangschaltung“, erzählt Eisen. „Zunächst hatte sie Bedenken, ob sie mit dem Spezialrad auch mithalten könne. Nach dem ersten Tag rief sie begeistert an und erzählte, dass sie ständig alle überhole. Zudem schmerzten allen anderen Kindern die Knie, da entweder der Sattel falsch eingestellt oder eben der Rahmen der Discounter-Fahrräder nicht auf sie angepasst war.“ - Eins zu null für das maßgeschneiderte Bambusrad.

Die Bambusräder des Karlsruher Fahrradbauers wiegen nur 8 bis 10 Kilo. Jedes Rad ist ein Unikat und ganz speziell auf seinen Besitzer angepasst. Wer bei Eisen ein Zweirad bestellt, wird zu allererst vermessen. Alles kann individualisiert und auf sämtliche Bedürfnisse hin angepasst werden. Egal ob Singlespeed oder Citybike – Eisens Bambusräder sind sowohl für richtige Sportler als auch ganz normale Hobby-Radler absolut alltagskompatibel.

Bambushelden

„Made in Karlsruhe“ – Badischer Bambus

Eisen bezieht sein Material aus einem badischen Bambuswald

Eisen bezieht sein Material aus einem badischen Bambuswald

Die Materialien kommen dabei ausschließlich aus dem Badischen. „Made in Karlsruhe ist ja klar“, bestätigt Eisen, „aber auch die einzelnen Teile kommen alle aus der Region. Selbstverständlich auch der Bambus!“ Den erntet er selbst im nahegelegenen Bambuswald eines befreundeten Imkers. Dort sucht er sich die perfekten Stangen für seine Rahmen aus. „Mir wird inzwischen aber auch ständig Bambus aus privaten Gärten angeboten oder sogar zugeschickt“, ergänzt der Bambusheld. Die Beschaffung der exotischen Holzart ist also längst gesichert.

 

Geht es nach dem Erfindergeist des Ingenieurs, ist das Bambusrad aber erst der Anfang. Längst tüftelt Eisen an einer neuen kleinen Fahrradrevolution, die aber noch top secret ist.

Man darf also gespannt sein, welches neue Gefährt in Zukunft durch die Karlsruher Straßen rollt!

One Response to Das badische Bambusrad

  1. […] BADISCHE VERSICHERUNGEN hat in ihrem Magazin einen Bericht über unsere kleine Bambusradmanufaktur geschrieben. Vielen Dank […]

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