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Auf der süßen Seite

27. Nov 2017 Kommentare (0) Ansichten: 2225 Menschen, Top Thema, Unterwegs

Es ist ein regnerischer Vormittag im November. Selbst Heidelberg hat soviel Grau nur wenig entgegenzusetzen. Wie eine bunte wohlriechende Insel in der Altstadt erscheint da die Heidelberger Bonbon Manufaktur von Bonbonmacher Jens Meier -  und verheißt Süßes in tausend Facetten.

Begrüßt werden wir von Jens Meier, der in Pulli, Jeans und Schürze genauso entspannt aussieht, wie sein Laden auf uns wirkt. Bonbons in kleinen Dosen und Tütchen und Lollis in allen erdenklichen Formen und Farben säumen die Regale an der Wand. Insgesamt knapp 30 Sorten sind dauerhaft im  Sortiment, hinzu kommen zahlreiche saisonale Spezialitäten. Gearbeitet wird auf der anderen Seite in der Schaumanufaktur – gut sichtbar für jeden Kunden, der auch zuschauen soll, wie das entsteht, was ihm nachher auf der Zunge zergeht.

Zucker, Farbe und Geschmack

Heute ist Lolli-Machen angesagt. Orange mit schwarzem Streifen und Melonen-Geschmack. So hat es Jens Meiers Sohn zum Geburtstag bestellt. „Im Prinzip sind alle Farb- und Geschmackskombinationen möglich“, erklärt Jens Meier während er Zucker wiegt, den Hauptbestandteil eines jeden Bonbons. Dazu kommt noch Glukosesirup „Der verhindert das Auskristallisieren“, erklärt der Bonbonmacher. Geschmack, Farbe und ein bisschen Zitronensäure dazu, fertig ist das Rezept für süße Träume zum Genießen. Die Farben sind natürlich, heute kommt die schwarze Farbe aus Pflanzenkohle, das Orange aus Carotin. „Wir verwenden nur hochwertige Produkte. Die Leute kommen auch, weil es hier anders und besser schmeckt als im Supermarkt“, erklärt Jens Meier.

Für die Melonen-Lollis heute heißt es erst einmal Zucker kochen, bis knapp über 100 Grad. Dann kommt die Glukose dazu. Wenn die Masse über 150 Grad heiß ist, wird sie auf ein Blech geschüttet und mit Aroma und Farbstoff vermischt. Die farbige Masse, die entsteht, heißt schlichtergreifend Bonbonteig.

Und jetzt kommt der wichtigste Teil im Bonbon-Prozess: Jens Meier zieht den Teig wie ein überdimensionales Kaugummi, legt ihn zusammen, zieht, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist. Was aussieht, wie das Formen einer Skulptur, hat einen ganz praktischen Hintergrund: „Damit kommt Luft in den Teig, die Luftbläschen sorgen für eine größere Oberfläche. Das Ganze schmeckt dadurch besser, der Geschmack wird intensiver und die Farbe verändert sich auch noch einmal. Das ist etwas, was die Industrie nicht leisten kann“, erklärt der Bonbonmacher.

Was einfach aussieht, erfordert Geschick und vor allem Timing, denn es bleiben nur ein paar Minuten, in der der Bonbonteig verarbeitbar bleibt. Aus den Bonbon-Skulpturen in Orange und Schwarz dreht und rollt Jens Meier eine Bonbon-Rolle, aus der großen Rolle eine kleinere, von der er letztlich kleine Stücke abschneidet. Die rollt er zu kleinen Schnecken, ein Holzstiel kommt hinein und fertig ist der Lolli.

Von der Archäologie zum Bonbonmacher

Seit vier Jahren macht Jens Meier Bonbons. Ursprünglich kommt er aus dem Rheinland. Nach Heidelberg hat ihn das Archäologie-Studium geführt. Anschließend folgten rund zehn Jahre in der IT-Beratung und Schulung. „Dann hatte ich keinen Bock mehr. Ich wollte etwas Kreativeres machen. Der Gedanke mit den Bonbons war schon längere Zeit im Kopf und da dachte ich mir, ich muss es ausprobieren. Wenn ich es nicht ausprobiere, weiß ich nicht, ob es funktioniert. Das war natürlich ein Risiko, aber jetzt gibt es uns seit vier Jahren und ich bin zufrieden. Die Leute kommen immer wieder und das ist das schönste Lob.“

Neben der Herstellung und Verkauf von Bonbons und Lollis bietet die Bonbon Manufaktur auch richtige Events an. Kindergeburtstage, Junggesellenabschiede oder Firmenevents können in der Schaumanufaktur stattfinden.

Bonbonmacherei - Beruf und Berufung

Lange war Bonbonmacher ein Ausbildungsberuf – der ist in der Zwischenzeit aber ausgestorben. In Norddeutschland ist die Bonbonmacherei noch verbreitet, ein Nebeneffekt der geographischen Nähe zu den süßigkeitsverliebten Dänen und Schweden. Sein Handwerk hat Jens Meier dennoch auch von ausgebildeten Bonbonmachern gelernt. „Man muss schon ein gewisses Wissen und Erfahrung mitbringen. Es geht um mehr als darum, drei Zutaten zusammenzuschütten, wie etwa beim Kuchenbacken. Ich habe zuhause zum Beispiel Backverbot“, lacht er.

Für die eigenen Kinder muss es ein Glücksfall sein, wenn der Vater Bonbons macht, oder? „Wir haben auch nicht mehr Süßigkeiten zuhause als andere Eltern. Ich bringe nicht jeden Tag etwas mit. Aber Besonderheiten wie heute die Lollis zum Geburtstag, mache ich natürlich immer“, sagt Jens Meier, während er weiter schneidet, dreht und steckt. 

An der Wand im hinteren Teil des Ladens hängen zwei große Lollis im Union Jack-Look – ein Andenken vom Besuch des britischen Prinzen William und seiner Frau Kate im Sommer 2017. Auch die britische Monarchie mag also Bonbons aus Heidelberg. „Die haben wir im Vorfeld für die beiden gemacht. Das war mit Sicherheit ein Highlight in meiner Karriere bisher. Wenn es sich auch danach angefühlt hat, als wäre man einen Marathon gelaufen.“

Die Sortenauswahl hängt ganz vom Alter, der Jahreszeit und auch der Nationalität der Kunden ab. „Ich müsste eine Statistik machen. Die Japaner lieben Buntes, haben allerdings meist sehr wenig Zeit. Wir haben inzwischen auch viele chinesische und arabische Kunden. Auf die Geschmäcker müssen wir noch besser eingehen, zum Beispiel mit Rosenbonbons.“ Und welche Sorte mag der Bonbonmacher am liebsten? „Ich mag eher die richtig sauren Sachen. Limette oder Variationen von Limette.“

Die orange schwarzen Lollis sind inzwischen fest geworden und werden jetzt von der Mitarbeiterin in Tütchen verpackt und mit einem Aufkleber versehen – alles entsteht in Handarbeit in der Bonbon-Manufaktur.

In Kisten warten bereits Zuckerstangen auf ihren Einsatz zur kommenden Adventszeit, wenn Jens Meier mit seinen süßen Kreationen wieder viele Augen zum Strahlen bringen wird.

Leckereien aus der Heidelberger Bonbon Manufaktur

Leckereien aus der Heidelberger Bonbon Manufaktur

Kontakt:

Heidelberger Bonbon Manufaktur
Steingasse 4
69117 Heidelberg
Tel: +49 (0) 6221 7352561
E-Mail: hallo@heidelbonbon.de

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