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Die Geigenbauerin

30. Nov 2017 Kommentare (0) Ansichten: 1478 Allgemein, Menschen, Top Thema, Unterwegs

Gabriele Zeeck ist Geigenbauerin aus Leidenschaft. Mit viel Liebe zum Detail, hoher Qualität und Kompetenz ist sie zur Vertrauensperson für die Violinisten, Bratschisten und Cellisten der Region geworden. Neben Reparatur- und Restaurationsarbeiten ist sie in erster Linie als Expertin für Geigen-Neubau bekannt – und hat sich schnell einen Namen gemacht.

Fast eine Millionen Euro ist die Violine eines Solisten wert. Der Profimusiker hat ein mulmiges Gefühl als er mit diesem Instrument die nächste Südamerikareise antreten soll. Was, wenn die Geige beim Transport beschädigt wird? Was, wenn sie gar geklaut wird? In Durlach bei Karlsruhe findet er die für ihn perfekte Lösung: Gabriele Zeeck ist auf Geigenneubau und Maßanfertigung spezialisiert, hat lange in Paris bei den Besten gelernt und weiß, wie man die perfekte Kopie der großen italienischen Meister wie Guarneri, Guadagnini, Montagnana oder natürlich Stradivari anfertigt.

Statt einer eine Million-Euro-Geige reist der Musiker nun mit der zum Verwechseln ähnlich klingenden und aussehenden Zeeck-Geige nach Argentinien. Alle Macken, alle Kratzer und Dellen sind perfekt repliziert worden. Der Steg passt, die Wölbung ist ideal nachgeahmt. Wichtiger noch: Der Klang ist nicht unterscheidbar – ein wahres Kunstwerk ist also entstanden. Den Flug hat der Musiker gut überstanden, die neue Geige ist unbeschädigt. Aber dann, an einer Bushaltestelle in Buenos Aires passiert es. Eine Hand, ein Griff und ehe der Geigenprofi reagieren kann wird ihm der Kasten samt Instrument gestohlen. Der Dieb ist schnell und die Geige für immer verschwunden. Die alte Millionen-Geige liegt sicher im Safe.

Geigenbaumeisterin Zeeck bearbeitet die Schnecke der Geige

Geigenbaumeisterin Zeeck bearbeitet die sogenannte Schnecke der Geige

Früher war alles besser… oder nicht?

„Lange Zeit hieß es in Profikreisen: Wer keinen alten Italiener besitzt, der braucht sich gar nicht auf die Bühne stellen“, erklärt Gabriele Zeeck als wir sie in ihrer Durlacher Werkstatt besuchen. „Das Klischee, wonach Geigenneubau verpönt sei und nur die tatsächlich historischen Instrumente zählen, gehört zum Glück langsam aber sicher der Vergangenheit an. Viele qualitativ hochwertige Neubauer haben dem Markt zu großem Renommée verholfen. Immer mehr Musiker lassen sich die perfekte Kopie alter Meister - gespickt mit ihren ganz individuellen Klangvorstellungen - anfertigen. Gabriele Zeeck ist hier die richtige Ansprechpartnerin. Die gebürtige Mecklenburgerin verschrieb sich früh dem Geigenbau-Handwerk, lernte zunächst in Mittenwald und sammelte dann lange als Geigenbaumeisterin in einer der renommiertesten Werkstätten in Paris Erfahrungen. Dort hatte sie auch die Möglichkeit, weit mehr als ein Dutzend Originalinstrumente von Stradivari, Guarneri und Bergonzi eigenhändig zu studieren und selbst spielen.

Private Gründe führten sie vor einigen Jahren zurück nach Deutschland, genauer gesagt nach Karlsruhe-Durlach. Dort wagte sie den Sprung in die Selbstständigkeit – zur Freude der hier ansässigen Musiker. „Ich hatte da viel Respekt vor“, erklärt Zeeck, „aber alle Bedenken waren glücklicherweise unbegründet. In der Region herrscht ein hohes Interesse an Maßanfertigungen.“ Ihre Kunden reichen von Spielern des Karlsruher Staatstheaters über viele weitere Profiorchester und -ensembles hin zu Laienmusiker, Sammler und Instrumentenliebhaber.

Die Zargen werden um die Schablone gespannt.

Die Zargen werden um die Schablone gespannt.

Zargen, Schnecken, Stege und Wirbel

Sowohl die Erstellung der Kopien inklusive historischen Lacken und originalgetreuer Abnutzung als auch die Schaffung ganz neuer Violinen ohne historisches Vorbild braucht viel Erfahrung, gutes Handwerk und Gespür. In der Vergangenheit hatte man sich sehr auf Ausmessungen und physikalische Untersuchungen der verwendeten Hölzer verlassen. Es kommt eben aber auch auf den Geigenbauer selbst an. Eine Kopie anzufertigen dauert etwa 180 bis 200 Arbeitsstunden. Jede Macke, jede Abnutzung und jeder Kratzer wird dabei übertragen. Die Geige wird nicht nur optisch repliziert sondern eben auch von der Struktur und Qualität her eins zu eins nachempfunden.

Die kleine Werkstatt in der Zunftsstraße lässt erahnen, welche Arbeit in der Produktion einer Violine steckt. Zahlreiche Hölzer, Hobel, Schnitzwerkzeuge und Schablonen liegen zum Einsatz und zur Verarbeitung bereit. „Hier kann man die Jahresringe sehen“, Gabriele Zeeck hält ein Stück Holz in der Hand. Aus diesem Klotz wird später der Geigenboden. Auf dem Tisch liegt ein weiteres Holzstück. „Das kommt aus Südtirol, wunderbares Holz, denn dort wachsen die Fichten sehr schön“, weiß Zeeck, „bei mildem Klima wachsen sie langsam und besonders gleichmäßig."

Geigenbauerin Gabriele Zeeck

Auf der Werkbank liegt die Schablone für die nächste Geige. An der Seite sind bereits die Zargen aufgespannt. Daneben das Holz, aus dem die Decke ausgesägt wird. Dann folgt das Aushöhlen um die gewünschte Wölbung zu erreichen. Für Wirbel und Saitenhalter gibt es genauso entsprechende Spezialisten wie für den Geigenbogen. Bei maßangefertigten Kopien arbeitet Zeeck am liebsten mit dem Original. Aber auch zahlreiche Detailfotografien von den zu kopierenden Geigen liegen bereit. Mit viel Detailliebe, Akribie und einer großen Portion Einfühlungsvermögen erschließt sich die Geigenbauerin das Instrument und schafft dann mit versiertem Handwerk ein neues Kunstwerk.

Am Ende ist es mehr als ein Job. Bei Zeeck wird der Beruf zur Berufung. „Schon in meiner Zeit in Paris war ich diejenige, die statt zur Mittagspause zu gehen in der Werkstatt blieb und die Geigen gespielt hat“, erzählt sie. Einfach mal in der Mittagspause eine Stradivari spielen. Lächelnd erinnert sich die Geigenbauerin an diese Zeit zurück.

Wer sich also, ob Laie oder Profi, sein ganz persönliches Instrument anfertigen lassen möchte, der ist bei Gabriele Zeeck wirklich in den besten Händen. 

Kontakt:

Geigenbau Zeeck

Gabriele Zeeck
Zunftstraße 2
76227 Karlsruhe

Telefon: +49 721 2019578
Mail: info@geigenbau-zeeck.de

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